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Imperialismus und Erster Weltkrieg- europäisches Machtstreben und Epochenwende
<html><head></head><body><p><strong>28. März 1884</strong></p> <blockquote> <p>Die deutsche Nation ist bei der Verteilung der Erde, wie sie vom Ausgang des 15.J. bis auf unsere Tage hin stattgefunden hat, leer ausgegangen.</p> <p>Der große Strom deutscher Auswanderer taucht seit Jahrhunderten in fremde Rassen ein, um in ihnen zu verschwinden. In dieser für den Nationalstolz so schmerzlichen Tatsache liegt ein ungeheuer wirtschaftlicher Nachteil für unser Volk!</p> <p>Der deutsche Import von Produkten tropischer Zonen geht von ausländischen Niederlassungen aus, wodurch jährlich viele Millionen deutschen Kapitals verloren gehen!</p> <p>Der deutsche Export ist abhängig von der Willkür fremder Zollpolitik. Ein unter allen Umständen sicherer Absatzmarkt fehlt unserer Industrie, weil eigene Kolonien unserem Volke fehlen.</p> </blockquote> <p><em>Carl Peters: Gründungsmanifest der Gesellschaft für Deutsche Kolonisation</em></p> <p>Quelle zitiert nach: Wolfgang J. Mommsen, Imperialismus. Seine geistigen, politischen und wirtschaftlichen Grundlagen. Ein Quellen- und Arbeitsbuch. Hamburg 1977, S. 124f.</p></body></html>
Gründungsmanifest der Gesellschaft für Deutsche Kolonisation
<html><head></head><body><p><strong>Rede von</strong> <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/de:Patrice%5FLumumba" rel="noopener noreferrer" target="_blank"><strong>Patrice Lumumba</strong></a><strong>, erster Premierminister von Kongo (Zaire), am 30.6.1960, Unabhängigkeitstag.</strong></p> <blockquote> <p><span class="" title="…"><span class="katex-display"><span class="katex"><span class="katex-mathml"><math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML" display="block"><semantics><mrow><mo>…</mo></mrow><annotation encoding="application/x-tex">…</annotation></semantics></math></span><span class="katex-html" aria-hidden="true"><span class="base"><span class="strut" style="height:0.123em;"></span><span class="minner">…</span></span></span></span></span></span> Wir haben Spott, Beleidigungen und Schläge kennen gelernt, die wir morgens, mittags und abends ertragen mussten, weil wir Schwarze sind. Wer wird vergessen, dass zu einem Schwarzen „Du“ gesagt wurde, bestimmt nicht als ein Freund, sondern weil das ehrenwertere „Sie“ allein für die Weißen reserviert war?</p> <p>Wir haben gesehen, wie unser Land im Namen von angeblich rechtmäßigen Gesetzen aufgeteilt wurde, die tatsächlich nur das Recht des Stärkeren anerkannten.</p> <p>Wir haben gesehen, dass das Gesetz für Schwarze und Weiße nicht gleich ist, bequem für Erstere, grausam und unmenschlich für Letztere. <span class="" title="…"><span class="katex-display"><span class="katex"><span class="katex-mathml"><math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML" display="block"><semantics><mrow><mo>…</mo></mrow><annotation encoding="application/x-tex">…</annotation></semantics></math></span><span class="katex-html" aria-hidden="true"><span class="base"><span class="strut" style="height:0.123em;"></span><span class="minner">…</span></span></span></span></span></span> All dies, meine Brüder, haben wir erlitten. <span class="" title="…"><span class="katex-display"><span class="katex"><span class="katex-mathml"><math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML" display="block"><semantics><mrow><mo>…</mo></mrow><annotation encoding="application/x-tex">…</annotation></semantics></math></span><span class="katex-html" aria-hidden="true"><span class="base"><span class="strut" style="height:0.123em;"></span><span class="minner">…</span></span></span></span></span></span> Zusammen werden wir soziale Gerechtigkeit aufbauen und sicherstellen, daß alle eine gerechte Entlohnung für ihre Arbeit erhalten. (Applaus) <span class="" title="…"><span class="katex-display"><span class="katex"><span class="katex-mathml"><math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML" display="block"><semantics><mrow><mo>…</mo></mrow><annotation encoding="application/x-tex">…</annotation></semantics></math></span><span class="katex-html" aria-hidden="true"><span class="base"><span class="strut" style="height:0.123em;"></span><span class="minner">…</span></span></span></span></span></span></p> </blockquote></body></html>
Rede von Patrice Lumumba
<html><head></head><body><p><strong>Die Rolle der Mission im Kolonialismus</strong></p> <p></p><p></p><blockquote>Fromm, gütig, segenspendend, fürsorglich - so ist das traditionelle Bild christlicher Missionare in der farbigen Welt. Doch der Schein trügt, Missionen waren Verbündete des Kolonialismus, oft sogar grausame. Sie halfen, alte Kulturen zu zerstören, Menschen zu entwurzeln, Familien und ganze Völker zu spalten.</blockquote><p></p> <p>Gert von Paczensky, „Verbrechen im Namen Christi. Mission und Kolonialisierung.“, 2000, Umschlagtext</p></body></html>
Die Rolle der Mission im Kolonialismus
<html><head></head><body><p><strong>Platz an der Sonne</strong></p> <p></p><p></p><blockquote>Mit einem Worte: wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne.</blockquote><p></p> <p>Bernhard von Bülow, Reichstagsrede vom 6. Dezember 1897. In: Fürst Bülows Reden nebst urkundlichen Beiträgen zu seiner Politik. Mit Erlaubnis des Reichskanzlers gesammelt und herausgegeben von Johannes Penzler. I. Band 1897–1903, Verlag von Georg Reimer, Berlin 1907, S. 8, Wikisource; Reichstagsprotokolle 1897/98, 1, S. 60 (D). Häufig Wilhelm II. fälschlich zugeschrieben.</p></body></html>
Platz an der Sonne
Die deutschen Kolonien erklärt Gibt es in eurer Stadt eine Lüderitz-Straße? Oder Straßen, die Namen von Orten und Ländern in Afrika tragen? Falls ja, dann wird vielleicht darüber diskutiert, die Straße umzubenennen. Solche Diskussionen haben mit einem bestimmten Kapitel deutscher Geschichte zu tun, nämlich dem Deutschen Kaiserreich als Kolonialmacht. Und genau in diesem Zusammenhang steht auch die Person Adolf Lüderitz. Wir erklären euch, welche Gebiete die Deutschen besetzt hatten, warum sie das machten und welche Verbrechen sie dabei begingen. Das deutsche Kaiserreich ist ja im Vergleich mit anderen europäischen Nationalstaaten relativ spät entstanden, im Jahr 1871. Und so steigt das Reich auch erst spät, aber umso ehrgeiziger in das Rennen ein, bei dem sich die europäischen Mächte die Welt aufteilen. Es geht also um Kolonien. Jetzt stellt sich zuerst einmal die Frage: Wie kommt man denn zu Kolonien? Also Gebiete, die von landfremden Herrschern erobert oder besiedelt werden, aber abhängig von ihrem jeweiligen Mutterland sind. Das Vorgehen ist relativ einfach: Unternehmer, die Chancen auf großen Gewinn wittern, kaufen in einer angeblich unzivilisierten Gegend immer mehr Land zusammen. Zum Beispiel der Kaufmann Adolf Lüderitz aus Bremen. Er kauft Land im Südwesten Afrikas, dem heutigen Namibia. Dabei versuchen sie, die Bewohner, in der Regel die Anführer der indigenen Gruppen, übers Ohr zu hauen. Zum Beispiel lässt Lüderitz seine Geschäftspartner darüber im Unklaren, ob deutsche oder englische Meilen gemeint sind. Das macht aber einen Riesenunterschied beim Landkauf. Eine deutsche Meile sind rund 7.500 Meter, die englische Meile gerade einmal 1.600 Meter. Die neuen Besitzer ersuchen dann die Regierung des Kaiserreichs um Schutz. Das heißt, die Ländereien können dann notfalls mit Hilfe des Militärs verteidigt werden. So entsendet die deutsche Regierung auch auf Druck von Kaufleuten rund um Lüderitz Kriegsschiffe nach Afrika. Soldaten hissen deutsche Fahnen und stellen das Gebiet unter deutschen Schutz. Bald trägt es den Namen Deutsch-Südwestafrika. Landstriche umzubenennen zeigt auch an, wer jetzt der neue Herr ist. Das Bergmassiv des Kilimandscharo erhält den Namen Kaiser-Wilhelm-Spitze. Der höchste Berg Deutschlands liegt damals nicht in den Alpen, sondern in Ostafrika, wo die Deutschen ebenfalls Kolonialgebiete in Besitz nehmen. Zwischen 1880 und 1900 eignen sich die Deutschen in der ganzen Welt Kolonien an. Wo liegen diese Kolonien? Ziemlich bekannt sind die afrikanischen Gebiete Togo und Kamerun, beide in Westafrika. Das heutige Namibia, damals Deutsch- Südwestafrika, und Deutsch-Ostafrika, auf dessen Gebiet heute etwa die Länder Tansania, Burundi und Ruanda liegen. Auch im Pazifik ist das Deutsche Reich aktiv. Samoa, die Marianen, die Karolinen, Palau, Nauru, ein Teil Neuguineas, das sogenannte Kaiser-Wilhelms-Land und die Marshall-Inseln gehören zum deutschen Kolonialgebiet. Und dann noch das Gebiet an der chinesischen Kiautschou-Bucht mit der Hafenstadt Qingdao, das das Reich auf 99 Jahre gepachtet. In den Kolonien leben Anfang des 20. Jahrhunderts insgesamt geschätzt um die 12 Millionen Menschen, Sogenannte Schutzbefohlene des Deutschen Reichs. So nennen die Deutschen die Menschen vor Ort. Deutsche Kolonisten sind höchstens ein paar Zehntausend vor Ort. Was machen die Deutschen in den Kolonien? Na ja, Kolonien sind vor allem Rohstofflieferanten, aber auch Märkte. In Kamerun zum Beispiel verkauft der Händler und Reeder Adolf Woermann Alkohol. Nicht ohne den Hinweis: würde man das nicht machen, wären in Deutschland Arbeitsplätze in der Brauereibranche gefährdet. Ein besonders heftiges Beispiel sind auch die Opiumkriege, mit denen das Britische Empire durchsetzt, dass in britischen Kolonien hergestelltes Opium in China verkauft werden darf. Millionen Menschen werden opiumsüchtig. Schon vor dem Zeitalter des Imperialismus beuten die Europäer die Menschen auf dem afrikanischen Kontinent aus und entführen sie millionenfach als Sklaven. Den neuen Kolonialherren geht es nicht um Sklaverei, aber sie beuten die Menschen vor Ort zu niedrigsten Löhnen aus, damit deutsche Händler weltweit billige landwirtschaftliche Produkte anbieten können. Kolonien stellen aber auch Waren her, die man ins Mutterland importieren kann. Für den deutschen Staat stellen sich die Kolonien in dieser Hinsicht aber als absolutes Draufzahlgeschäft heraus. Viel zu gering sind die Erträge für das Mutterland. Reich werden so letztlich nur eine Reihe Unternehmer. Rechnet man den ganzen Verwaltungsaufwand dagegen, rentieren sich die Kolonien aus Sicht der Kolonialherren wirtschaftlich kaum. Und das, obwohl das Reich in die Infrastruktur, vor allem die Eisenbahn vor Ort investiert, damit die Wirtschaft effizienter läuft. Natürlich geht es hauptsächlich um Wirtschaft, aber es geht auch in der damaligen Ideologie darum, den sogenannten „Wilden“ die Zivilisation und vor allem den christlichen Glauben nahezubringen. Das Kolonialgeschäft wird in diesem Sinne als „Erziehungsarbeit“ angesehen, denn die Deutschen und natürlich auch die anderen Europäer betrachten die Einheimischen, wie - kann man schon sagen - Kinder. Kinder, die „erzogen“ werden müssen. Viele Missionare sehen in den Kolonien die Erfüllung eines Traums. Weit weg von der industrialisierten, scheinbar kaputten westlichen Welt wollen sie christliche, bäuerliche Gemeinschaften aufbauen und gottgefällig leben. Dabei wollen sie der einheimischen Bevölkerung den christlichen Glauben überstülpen, deren bisherige Lebenswelt durch den Kolonialismus größtenteils zerstört wird. Die Missionen sind natürlich auch politische Instrumente, durch die die Kolonialstaaten den besetzten Ländern ihren Stempel aufdrücken. Nur eben nicht so offensichtlich. Eine besondere Rolle spielt dabei die Schulbildung, die die Missionare in die Kolonien bringen. Die Deutschen betreiben Elementarschulen, katholische, evangelische und auch staatliche Schulen, aber nur eine absolute Minderheit der einheimischen Kinder wird mit dem Schulunterricht erreicht. Und der deutsche Staat bringt auch medizinische Stationen in die Kolonien. Die sind aber vor allem für die weißen Kolonisten gedacht und weniger für die Einheimischen vor Ort. Die Bilanz der deutschen Kolonisten: Millionen von Kleinbauern werden enteignet, gesellschaftliche Strukturen zerschlagen, Hunger wird zu einem sehr weitverbreiteten Problem und die Menschen werden rücksichtslos ausgebeutet. Wenn die Deutschen damals auf die Kolonien blicken, dann sehen sie keine gleichwertigen Menschen. Wenn sie über diese Menschen reden, dann verwenden sie das N-Wort. Sie gelten den Deutschen nicht als Menschen, die eine gleichwertige Sprache und Kultur haben. Sie gelten als primitiv und wenig fortschrittsfähig. Kurz: als unterlegen. In Kolonialausstellungen im Mutterland werden Menschen wie Zootiere vorgeführt. Es geht weniger darum, Kulturen zu entdecken, sondern vor allem die eigene Überlegenheit zu feiern. Menschen werden als exotisch, unzivilisiert und fremd inszeniert. Bis in die 1930er-Jahre hinein, vereinzelt sogar noch später, finden solche Völkerschauen statt. Diese Geisteshaltung der vermeintlichen Überlegenheit zeigt sich auch in den damaligen Gesetzen. Das Rechtssystem in den Kolonien schützt die weißen Herren, die Afrikaner aber nicht. Gewaltanwendung durch die Kolonisten ist an der Tagesordnung. Die Kolonisten sprechen hier vom sogenannten väterlichen Züchtigungsrecht. Gegen diese Behandlung setzen sich die Menschen natürlich zur Wehr und daraus resultieren auch die Kolonialkriege. Das Deutsche Kaiserreich führt zwei große Kolonialkriege in Südwest- und in Ostafrika. Und genau die schauen wir uns jetzt ein wenig genauer an! Beide Kriege haben gemein, dass sie seitens der deutschen Armee mit großer Brutalität geführt werden. Beide Kriege entspringen einer längeren Phase der Konfrontation, während der es schon zu lokalen Kämpfen kommt. Zunächst einmal der Krieg zwischen den Jahren 1904 bis 1908 in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia. Dieses Land war von 1884 an als deutsche Siedlungskolonie vorgesehen. Da sollten also deutsche Farmer, oder besser gesagt Viehzüchter, ihre Anlagen errichten, das Land besiedeln. Den Einheimischen, den Herero und Nama, wird das Land Stück für Stück weggenommen. Sie sollen vor allem als Lohnarbeiter für die Deutschen arbeiten. Die allgemeine Situation vor allem der Herero wird immer schlechter, wozu auch eine Malariaepidemie und eine Rinderpest beitragen. Sie beginnen schließlich den Krieg, angeführt von Samuel Maharero, der hat lange mit den Kolonialherren zusammengearbeitet. Bei ihrem Aufstand, der im Januar 1904 beginnt, plündern die Herero deutsche Farmen und Siedlungen. Etwa 120 Deutsche kommen dabei ums Leben. Frauen und Kinder, befiehlt Maharero zu verschonen. Der Befehl wird bis auf wenige Ausnahmen eingehalten. Berlin schickt Generalleutnant Lothar von Trotha als neuen Oberkommandierenden nach Afrika. Er hat schon Aufstände in anderen Kolonialgebieten niedergeschlagen. Bei der sogenannten Schlacht am Waterberg will von Trotha die Herero einkesseln. Aber viele entkommen und fliehen durch die Omaheke Wüste. Jetzt erlässt von Trotha einen Vernichtungsbefehl. Er befiehlt, auf alle Aufständischen zu schießen und nimmt dabei Frauen und Kinder nicht aus. Nähern sich die Herero den Wasserstellen, werden sie vertrieben oder erschossen. Der Vernichtungsbefehl wird zwar nach innenpolitischen Debatten von Berlin wieder aufgehoben, aber zu spät. Tausende sterben. Die Nama erheben sich ebenfalls gegen die deutschen Besatzer, in einem Guerillakrieg. Am Ende des Krieges leben von 60-80.000 Herero noch etwa 15-20.000. Die Angaben in der Forschung schwanken da. Von ursprünglich etwa 20.000 Angehörigen der Nama überlebt knapp die Hälfte. Dieser Krieg wird heute von Historikerinnen und Historikern als Genozid, also als Völkermord, eingeordnet. Der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts. Der zweite Kolonialkrieg findet zwischen 1905 bis 1907 in Deutsch-Ostafrika statt. Die Gegend ist seit 1885 in deutschem Besitz. Die einheimischen Männer müssen auf den Baumwollplantagen der Deutschen arbeiten und dadurch ihre eigenen Felder vernachlässigen. Wer die geforderte Kopfsteuer nicht zahlen kann, muss sie bei den Deutschen abarbeiten. Verschiedene Stämme und Volksgruppen verbünden sich gegen die Besatzer. Motiviert werden sie auch durch eine geistliche Bewegung, dem sogenannten Maji-Maji-Kult. Auch hier setzen die Aufständischen, oder sagen wir besser die Freiheitskämpfer, auf einen Guerillakrieg. Darauf reagieren die Deutschen mit einer Taktik der verbrannten Erde: Sie plündern, vergewaltigen, massakrieren, richten hin, internieren in Lagern und vertreiben die Einheimischen. Der Krieg in Ostafrika löst auch eine Hungersnot aus. Auch hier haben wir keine genauen Opferzahlen. Die Schätzungen reichen bis zu 300.000 Todesopfern durch Krieg und Hunger. Neben den Toten ist zu beklagen, dass die Existenzgrundlage ganzer Volksgruppen zerstört wird. Die sozialen Strukturen brechen zusammen, weil vor allem in Ostafrika afrikanische Söldnertruppen unter deutschen Befehl den Aufstand niederschlagen, wird in der dortigen Gesellschaft lange anhaltender Hass geschürt. In Deutsch-Südwestafrika ebnet der Krieg den Weg, dass das Land mehr und mehr von weißen Siedlern in Besitz genommen wird. Auf Samoa nutzen das Deutsche Reich, das Britische Empire und die Vereinigten Staaten von Amerika im Jahr 1889 innere Spannungen aus, indem sie erst alle drei das Gebiet gemeinsam beherrschen wollen, sich dann zerstreiten und die verschiedenen politischen Lager im Land selbst gegeneinander aufhetzen. Auch in China gibt es 1900 einen Krieg mit deutscher Beteiligung, den sogenannten Boxeraufstand. Mit dem Ersten Weltkrieg verliert das Deutsche Reich seine Kolonien. Die deutsche Kolonialzeit ist also im Vergleich mit anderen europäischen Mächten nicht sehr lang. Und dieser Umstand hat auch dazu beigetragen, dass man in Deutschland immer noch um den richtigen Umgang mit der Kolonialgeschichte ringt. „Wir waren noch nicht so schlimm wie die anderen.“ Das ist wohl bei Vielen der Gedanke. Aber es geht nicht darum, ob andere noch schlimmer waren als man selbst, sondern was man selbst gemacht hat. Wenn es um die Verortung des Kolonialismus in der deutschen Erinnerungskultur geht, war in letzter Zeit auch von einem sogenannten Historikerstreit 2.0 die Rede. Vielleicht habt ihr davon ja schon mal gehört. Die Bezeichnung bezieht sich auf den ersten Historikerstreit, der in den 1980er-Jahren in der Bundesrepublik geführt wurde. Dabei ging es zusammengefasst um die Frage, ob der Holocaust singulär sei, also historisch beispiellos, und darum, wie man grundsätzlich in Deutschland an den Nationalsozialismus erinnern sollte. Dabei setzte sich die Einschätzung durch: Ja, der Holocaust, der Völkermord an den europäischen Juden ist in seinem Ausmaß mit nichts anderem gleichzusetzen und die Erinnerung daran und das Anerkennen der Schuld gehören zum Grundverständnis der Bundesrepublik. Die Debatte der vergangenen Jahre bezieht bei dieser Frage jetzt verstärkt die Zeit des Kolonialismus mit ein. Dazu muss man sagen die Bezeichnung „Historikerstreit 2.0“ ist umstritten. Die Diskussion dreht sich im Kern um die These, dass es Kontinuitäten, also direkte Zusammenhänge zwischen dem Holocaust und der deutschen Kolonialzeit gäbe, zum Beispiel in Bezug auf die angewendete Gewalt oder dem dahinterstehenden Rassismus. Der Holocaust sei demnach nur eine extremere Form von dem gewesen, was die Deutschen bereits im Kolonialismus gemacht hätten. Das stellt die Singularität des Holocaust, die in der Forschung gemeinhin als Konsens galt, ein Stück weit in Frage. Darüber hinaus wird kritisiert, dass die starke Fokussierung auf den Holocaust in der Erinnerungskultur alles andere überdecken und die Aufarbeitung der kolonialen Verbrechen behindern würde. Es gibt allerdings sehr viele sehr gute Argumente, die gegen solch eine direkte Verbindung von Holocaust und Kolonialismus sprechen. So ging der Völkermord an den Juden nicht aus einem realen Konflikt bzw. Krieg hervor, wie es bei den Massakern an den Herero und Nama der Fall war, sondern sein Ausgangspunkt war die extreme Ideologie der Nationalsozialisten. Der Holocaust hat sich auch nicht auf ein bestimmtes Gebiet beschränkt, sondern war der Versuch eines Staates, eine ganze, nach seinen Kriterien zusammengesetzte Bevölkerungsgruppe systematisch zu vernichten und das mit allen Mitteln, die ihm dafür zur Verfügung standen. Das hat es in dieser Form, in der Geschichte, davor oder danach nicht gegeben. Damit will ich nicht sagen, dass es verboten sein sollte, historische Ereignisse grundsätzlich zu vergleichen. Durch einen Vergleich kann man die Beispiellosigkeit von etwas ja überhaupt erst feststellen. Mit etwas gleichsetzen lässt sich der Holocaust, so die weiterhin überwiegende Meinung in der Geschichtsforschung aber nicht. Und diese Beispiellosigkeit in Frage zu stellen, kann schnell dazu führen, dass der Holocaust in seinem historischen Ausmaß insgesamt verharmlost wird oder die Verantwortung, die Deutschland daran trägt. So, das war jetzt ein recht vereinfachter Blick auf eine sehr komplexe Debatte. Wenn ihr euch ausführlicher darüber informieren wollt, dann findet ihr oben, auf dem i einen Artikel von der Bundeszentrale für politische Bildung dazu. Schaut da gerne mal rein. Was natürlich auch klar sein sollte: Die Erinnerung an den Holocaust macht die Verbrechen der Kolonialzeit nicht weniger grausam und das Leid der Indigenen nicht weniger wichtig. Kritische Erinnerung an den Holocaust und an die Verbrechen des Kolonialismus schließen sich nicht gegenseitig aus. Im Mai 2021, mehr als 100 Jahre nach dem Ende der deutschen Kolonialzeit, hat sich die Bundesregierung offiziell für das begangene Unrecht an den Herero und Nama entschuldigt und es als Völkermord aus heutiger Sicht anerkannt. In dem Zuge hat Deutschland Namibia 1,1 Milliarden Euro Wiederaufbauhilfe innerhalb der kommenden 30 Jahre in Aussicht gestellt. Die Diskussionen um Zahlungen an Namibia dauern stand jetzt, also im Herbst 2024, allerdings noch. Was denkt ihr denn? Wie sollten wir mit der Zeit des Kolonialismus umgehen? Auch in unserem Alltag mit Straßennamen zum Beispiel wie die Lüderitz-Straße? Schreibt uns das gerne unten in die Kommentare! Aber wie immer gilt: Bitte bleibt fair dabei. Hier neben mir findet ihr noch einen Beitrag von Terra X zu dem Thema und darunter ein Video von unserem Kanal. Schaut da auch gerne mal rein. Ich sag: Danke fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.
Imperialismus einfach erklärt In diesem Video hier beschäftigen wir uns mit dem Imperialismus. Warum die Europäer die Welt unter sich aufteilen, was es für die Eroberten bedeutet und wie das Ganze gerechtfertigt wird. Alles, was ihr wissen müsst – jetzt! Der Begriff Imperialismus sagt eigentlich schon alles. Er kommt aus dem Lateinischen, von dem Wort „imperare“, und das bedeutet „herrschen“ Über fremde Länder und Menschen wollen die europäischen Fürsten ja schon länger herrschen, seitdem Kolumbus in Amerika gelandet ist. Die Spanier haben ein riesiges Kolonialreich in Mittel und Südamerika gegründet. Auch Portugal, Großbritannien und Frankreich haben dort Gebiete erobert. Auch in Asien und in Afrika setzen sich die Europäer fest. Es ging damals um Rohstoffe, um Handel und um Siedler, die auswandern und ein neues Leben beginnen wollten. Ein Leben ganz woanders. Von den Kolonialreichen Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Britische das bedeutendste. Mittlerweile hat sich die Welt stark verändert. Ich sag nur Industrialisierung. Sie ist die wichtigste Voraussetzung für die Eroberung der Welt durch die Europäer. Die aufstrebenden Industrieländer haben einen gewaltigen Hunger nach Rohstoffen und nach Absatzmärkten. Denn irgendjemand muss das Zeug, das in Massen hergestellt wird, ja auch kaufen. Wirtschaftliche und strategische Interessen befeuern also die Eroberung der Welt. Weniger höflich gesagt: Es geht um Macht, Ansehen und um Gier. Das ist also die wirtschaftlich Strategische Voraussetzung für den Imperialismus. Es gibt auch eine technische, durch die Erfindung, zum Beispiel der Dampfkraft, des Stroms oder vieler chemischer Produkte sind die Europäer den Menschen in anderen Weltgegenden Technologisch weit voraus. Sie sind überlegen und können ihren Willen durchsetzen, wenn nötig mit Waffengewalt. Daraus folgt: Sie fühlen sich auch überlegen, die Menschen ohne Segnungen der Industrie sein unzivilisiert und oft haben sie nichts vom Christlichen Gott gehört. Also will man die Zivilisation und den Glauben verbreiten. Es hört sich wenigstens noch so an, als wolle man den Eroberten etwas Gutes tun. Es geht aber auch anders. Charles Darwin hat Mitte des 19. Jahrhunderts die Theorie entwickelt, dass die am besten angepassten Lebewesen überleben und im Kampf ums Dasein sozusagen obsiegen. Diese Idee wird politisch zweckentfremdet und auf die Menschen angewendet. Dass die Europäer stärker seien als die Afrikaner, beweise demnach, dass sie überlegen und besser seien. Die weiße Rasse habe somit das Recht, die anderen zu beherrschen. Diese Idee nennt man Sozialdarwinismus. Ich sage mal, das ist der weltanschauliche Aspekt bei der Sache. Man meint sogar, dass sich nicht nur die Lebewesen, sondern auch die Staaten in einem Kampf ums Überleben befinden. Das ist auch ein Grund, Wieso jeder versucht, sich so viel Land und Menschen wie möglich unter den Nagel zu reißen. Das Machtstreben im Konkurrenzkampf der europäischen Staaten. Außenpolitische Konflikte und Aktionen dienen wiederum auch dazu, die eigene Bevölkerung ruhigzustellen. Das ist der politische Aspekt bei der ganzen Sache. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts geht es verstärkt los. Die industrialisierten europäischen Mächte, die USA und Japan, teilen die Welt auf, zumindest das, was davon noch übrig ist. So in Asien, wo die Briten unter anderem die Gebiete des heutigen Indien und Pakistan beanspruchen. Auch die Niederländer und Franzosen bedienen sich, Japan und die USA mischen mit. Und dann erinnert man sich daran, dass ja in Afrika, Sozusagen vor der Haustür noch viel unerobertes Land liegt. Als man im 16.Jahrhundert den Handel um die ganze Welt organisierte, da reichten die Stützpunkte, die man an den afrikanischen Küsten errichtet hatte, voll und ganz aus. Von da aus handelte man mit den Einheimischen. Man weiß, dass in diesem riesigen Kontinent einiges an Rohstoffen und Arbeitskräften zu holen ist. Und noch bevor man Afrika vollends erforscht hat, einigt man sich auf einer Konferenz in Berlin zwischen 1884 und 1885 darauf, wie man Afrika unter den Europäern aufteilt. Natürlich leben da aber auch Menschen. Es bestehen Dutzende Staaten und hunderte Völker. Das wird alles platt gemacht. Dabei gibt es zwei wesentliche Arten der Kolonialherrschaft: Entweder besetzt man ein Gebiet militärisch und zwingt die Einheimischen, für die neuen Herren zu arbeiten. Oder man lässt den lokalen Herrscher im Amt und zwingt ihn zur Zusammenarbeit. Wobei Zusammenarbeit bedeutet, dass die Europäer praktisch bestimmen, was gemacht wird. „Kolonialismus light“ könnte man dazu auch sagen. Und die Deutschen bekommen auch etwas ab vom Kuchen. Am Beispiel der Kolonie in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, kann man sehen, wie es geht. Da kaufen Unternehmer wie der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz von den Einheimischen in betrügerischer Absicht immer mehr Land zusammen, um die erworbenen Gebiete zu sichern. Verschaffen sich die Unternehmer den Schutzdurch das Kaiserreich und drängen die Einheimischen dazu, diese Schutzherrschaft anzuerkennen. Schutzherrschaft? Das klingt doch gar nicht so schlimm, oder? Von wegen! Die Menschen werden ausgepresst, Sie müssen auf Plantagen schuften. Deutsche Händler hauen sie übers Ohr, nehmen ihnen ihr Vieh und ihr Land weg. Wenn jemand aufmuckt, dann bekommt er die Peitsche zu spüren. Es gibt sogar seltene Postkarten aus deutschen Kolonien, die Gewaltszenen zeigen. Die Einheimischen gelten als Wilde, als Menschen zweiter Klasse. Die deutschen Herren werben auch Soldaten an! So übernehmen dann Einheimische die Unterdrückung der Einheimischen. Leider muss man sagen, dass auch die anderen Europäer sich so unmenschlich benehmen. Da wird geplündert und gemordet. Anders kann man das gar nicht sagen. Und vieles, zu vieles ist bis heute nicht gesühnt, ja manchmal noch nicht mal Anerkannt durch die Europäer. Ich will das gar nicht bewerten, sondern zitiere den damaligen SPD-Chef August Bebel. Der sagt 1894 im Reichstag zur Kolonialpolitik des Deutschen Kaiserreichs, Zitat: Äußerlich Christentum, innerlich und in Wahrheit Prügelstrafe, Weibermisshandlung, Schnapspest, Niedermetzeln mit Feuer und Schwert, mit Säbel und Flinte. Es handelt sich um ganz gemeine Materielle Interessen, ums Geschäftemachen und um nichts weiter. Im Jahr 1904 haben die Herero genug von der deutschen Herrschaft. Sie ziehen in den Kampf, Wobei sie ausdrücklich nur die deutschen Soldaten, deutsche Männer als Feinde betrachten. Natürlich haben die Herero gegen die überlegenen deutschen Truppen Überhaupt keine Chance. Am Ende werden sie in eine Wüste getrieben, wo sie jämmerlich Verhungern und verdursten. Auch Frauen und Kinder. von geschätzt 60 bis 80000 Herero bleiben nur 15- bis 20000 am Leben. Da schwanken die Angaben in der Forschung. 2021, mehr als 100 Jahre nach den Verbrechen, erkennt die Bundesregierung das begangene Unrecht als Völkermord an Erst nach dem Zweiten Weltkrieg befreien sich die afrikanischen Staaten dann von den europäischen Kolonialherren. Aber viele Probleme, die es heute noch in Afrika gibt, die gehen auf diese Kolonialzeit zurück. Und natürlich kommen sich die europäischen Großmächte mit ihren kolonialen Ambitionen beim Wettbewerb des Imperialismus auch ins Gehege. Damit verschärfte Imperialismus die Konflikte vor dem Ersten Weltkrieg. Wer dazu mehr erfahren will, der kann sich ja einfach mal auf diesem Kanal umschauen. Da gibt es diverse Videos zu oder ihr klickt einfach auf abonnieren, dann verpasst die ab sofort nichts mehr. Und wenn ihr Fragen habt zu diesem oder zu anderen Themen, dann postet sie einfach unten in die Kommentare. Wir kümmern uns darum. Danke dafür. Danke fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.